Joachim Lätsch und Erich Altenkopf im Interview
Das gab es ja noch nie am Fürstenhof! Zwei Männer geben sich hochoffiziell und in aller Öffentlichkeit das Jawort: André und Michael stehen vor dem Traualtar und bezeugen sich ihre gegenseitige Liebe – allerdings nur zum Schein. Doch ob nun Liebesheirat oder nicht, das Thema ist hochaktuell und nach wie vor vieldiskutiert. Ein guter Grund, um sich mit den Darstellern Joachim Lätsch (André Konopka) und Erich Altenkopf (Dr. Michael Niederbühl) über die erste Homo-Ehe in "Sturm der Liebe" zu unterhalten.
Lieber Joachim, lieber Erich, Ihr hattet bei den Dreharbeiten kürzlich sicherlich viel Spaß, oder?
Joachim: Wieso?
Schließlich durftet Ihr eine schwule Hochzeit im "Sturm der Liebe" spielen...
Joachim: Ja, das stimmt, aber es war ja keine Liebesheirat! André und Michael müssen ja nur heiraten, damit Michael als Andrés bester Freund von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen kann. Denn André hat sich ja aus verletztem Stolz dazu hinreißen lassen, Natascha Glutamat ins Essen zu mischen, obwohl die höchst allergisch darauf reagiert und fast daran stirbt. Michael wusste das, und nur wenn er André heiratet, muss er nicht als Zeuge gegen seinen Freund aussagen. So kommt das. Also keine Liebe! (mit Seitenblick auf Erich)
Erich: Was, das erfahre ich hier und jetzt? Ich bin völlig zerstört. Ich hatte an Deine Gefühle geglaubt!
Joachim: Es war eine moralische Erpressung.
Erich: Und ich glaubte an eine Liebesheirat! Es war schließlich meine erste!
Was war Eure Reaktion, als Ihr das Drehbuch gelesen habt? Das ist ja eine für den "Sturm der Liebe" eher neue Thematik.
Erich: Super! Komödie! Das macht Spaß.
Joachim: Genau. Komödie. Überrascht hat es mich aber, denn bis dahin war das Thema im Sturm ja tabu. Dabei ist es schon lange überfällig. Es ist ja völlig in der Mitte der Gesellschaft angekommen und für mich wie für die meisten meiner Freunde völlig alltäglich.
Erich: Sogar der Papst hat die Schwulen ja anerkannt. Und das als katholisches Oberhaupt! Ich finde den Mann ja toll.
Für viele Menschen gilt das – die Diskussionen um die Homo-Ehe zeigen aber auch eine andere Wahrnehmung. Befürchtet Ihr – neben den zu erwartenden vielen positiven – auch negative Reaktionen seitens Eurer Fans?
Erich: Nein, das glaube ich nicht. Abgesehen davon denke ich, dass auch im "Sturm der Liebe" die verschiedenen Gruppen – ich sage absichtlich nicht die "Randgruppen" – unserer Gesellschaft ihren Platz finden sollen, und das tun sie ja auch.
Joachim: Und wenn es so wäre – das wäre mir komplett egal.
Wie war es für Euch, die Rollen zu spielen?
Joachim: Das ist pure Komödie, das macht Spaß. Ein wunderbares Spielfeld. Schließlich mussten wir ja nicht nur kurz heiraten, sondern mit unserem Verhalten dem ganzen Fürstenhof auch ein Outing vorspielen.
Erich: Ja, das stimmt. Schauspielerisch ist das toll. Aber es ist auch zugleich eine echte Herausforderung und eine Gratwanderung. Denn es ist ja so, dass es lustig sein soll und Spaß machen soll, aber so, dass wir uns in unserer Art zu spielen nicht über die Schwulen lustig machen. Wir wollen auf keinen Fall billigen Slapstick mit stereotypem tuntigem Getue machen – das gibt es weiß Gott genug. Sondern wir wollen, dass auch Schwule über uns lachen können und sich nicht beleidigt fühlen. Für die Rolle aber, die wir da spielen – nämlich Männer, die ja nicht schwul sind, sondern sich nur als schwul ausgeben – muss man natürlich auch wieder übertreiben und komödiantisch sein. Gar nicht so leicht also!
Joachim: Es ist ja schließlich eine Fake-Hochzeit ...
Ganz konkret: Was hattet Ihr an für die Hochzeit?
Erich: Wir sahen aus wie Siegfried und Roy!
Joachim: Ja, das war schon eine richtige Hochzeit mit allem Drum und Dran. Fantastisch. Zwar nicht in der Kapelle, aber immerhin im Fürstenhof. Also nicht gerade klein und zurückhaltend, schließlich sollte die Hochzeit ja auch alle von Andrés und Michaels Liebe überzeugen.
Und wie war der Kuss?
Joachim: Erich hat fiese Stacheln.
Erich: Joachim hat die Situation schamlos ausgenutzt!
Joachim: Bei meinem ersten Versuch, ihn zu küssen, hat sich meine Lippe irgendwie nach unten umgeschlagen, das sah ziemlich blöd aus. Das mussten wir also gleich nochmal drehen. Außerdem hatten sich alle am Set ziemlich auf die Szene gefreut. Es gab dann komischerweise mehrere Einstellungen zu der Kuss-Szene ...
Erich: Denen am Set hat's anscheinend schon mal gefallen.
Könnt Ihr Euch vorstellen, die Rolle als schwules Paar weiter auszubauen?
Erich: Ich küsse ihn ja wirklich gerne, aber so gerne dann auch wieder nicht.
Joachim: Äh, naja. Nein, das nicht. Wir müssen jetzt übrigens wieder dringend zum Dreh.
Wir danken den Herren für das amüsante Gespräch und wünschen weiterhin viel Raum für Euer komödiantisches Talent!
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