Mo., 28.11.16 | 04:50 Uhr
Das Erste
Schnappschuss China: Warum werden in Peking die Autos in der Lotterie zugelassen?
Aber auch für Radfahrer wie mich ist die Metropole kein Paradies: Es gilt das Recht des Stärkeren. Welchen Abbieger kümmert es schon, wenn ich Grün habe.
"Manchmal vermisse ich in Peking ein eigenes Auto. Aber ich bemühe mich erst gar nicht um eines, denn ich würde es vermutlich nicht bekommen. Warum ist das so schwer?" Mario Schmidt
Die Gesichter verraten, dass auch Pekings Stadtverwaltung die Probleme im Verkehr sehr ernst nimmt. Erstzulassungen gibt es nur noch in der Lotterie. Alle zwei Monate entscheidet sich hier, wer sein erstes Auto kaufen darf. Es geht jedes Mal um gut 13.000 Nummernschilder bei über zwei Millionen Bewerbern.
Zeng Quimei hofft seit zwei Jahren auf ihr Glück. Sie will nicht immer mit dem Taxi oder der Bahn zu Kunden fahren. Und mit einem eigenen Auto könnte die 37-Jährige am Wochenende schnell mal die Stadt verlassen, durchatmen, etwa an der Großen Mauer. So ist alles umständlich: "Ich stecke da in einem Dilemma. Zum einen brauche ich ein Auto, aber wenn ich den Verkehr jeden Tag sehe, wünsche ich mir, dass es viel weniger werden. Und dann ist da noch das Parken, das ist auch ein Problem."
Ein komplexes System: Aus den Kugelkombinationen generiert ein Computer weitere Glückszahlen. Fair und transparent soll es zugehen. Die Chancen steigen ein wenig, je öfter man an der Lotterie teilnimmt. Mehrere Metropolen regulieren die Erstzulassungen: In Shanghai werden Nummernschilder versteigert und sind im Schnitt so teuer wie ein Kleinwagen. In Peking fallen nur Gebühren an.
Tian Chenggang vom Verkehrsamt Peking: "Mein Eindruck ist, dass die Pekinger diese Methode respektieren und Verständnis für die Regulierung haben."
Marketingmanagerin Zeng muss noch weiter Bahn und Taxi fahren: sie ist wieder nicht dabei. Es gäbe eine Lösung, aber sie traut den Batterien noch nicht. Der Staat fördert Elektromobilität mit viel Geld. Eine Alternative – auch für mich: "Ein Elektroauto könnte ich mir kaufen, denn die gibt es ohne Lotterie. Ich lasse es trotzdem – zu viel Stau und zu wenig Parkplätze. Ich nehme lieber das Fahrrad, auch wenn ich da jeden Tag höllisch aufpassen muss."
Autor: Mario Schmidt, ARD Peking
Stand: 13.07.2019 08:41 Uhr
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